„Der Bulzer“ – Fränkisches Brauchtum am 11. November

26 Oct 2017

Wer schenkt am 11.11. den braven (!) Kindern Apfel, Nuss und Mandelkern? 

 

Erinnern wir uns: Am 11. November wird - nicht nur- in Franken an St. Martin gedacht, der seinen Mantel mit dem Bettler geteilt hat.

Im protestantischen Nürnberg trat als Folge der Reformation anstelle des Nikolaus der Pelzmärtel. Liebevoll wird er im Nürnberger Dialekt „Bulzer“ genannt. Dieser wird ebenso wie der Nikolaus mit Spannung erwartet, denn er sieht alles, hört alles und hat das Jahr über auf einer Liste alle guten und weniger guten Taten vermerkt.

Den Kindern wird erzählt: Für die Braven bringt er das Lob und den gefüllten Sack. Den unartigen Kindern aber wird ins Gewissen geredet und Angst gemacht vor dem bärtigen Mann mit Rute und dem Sack, in den sie möglicherweise gesteckt werden. Das nachfolgende Gedicht von Eduard Dietz ist ein „nicht ganz ernst zunehmendes Paradebeispiel“, wie Stadträtin Barbara Regitz, CSU Direktkandidatin Nürnberg Nord für die Landtagswahl 2018, schmunzelnd meint: Warum man den Nikolaus so sehr mit Spannung erwartet. Er stapft von Haus zu Haus, klopft sehr laut, hat eine Rute und einen Sack bei sich. Für einen reichen Gabentisch wird man ermahnt recht brav zu sein, denn der Nikolaus sieht alles, hört alles und hat das Jahr über auf einer Liste alle guten und weniger guten Taten vermerkt.

 

11.11. Bulzer – Pelzmärtel

Ward ner Bou, wenn der Bulzer kommt!

Der baggd di beim Gnagg.

Gscheid beidln doud der di,

weillsd immer ned parriersd.    

Der nimmd di mied in seim Soog

Dou kannsd dann schreiä

Dou horchd der gor ned draf

Der haud der hächdns nu anne ins Gfries

Ward ner Bou ibermorgn kummd der, der Bulzer,

I hab nern schon telefonierd!

(Eduard Dietz)

 

Aus: Fritz, Ulrike: Mit Kindern Nürnberg entdecken. Ein Nürnbergbuch für kleine und große Leute, 1991.

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