Gedanken zur Weihnacht

8 Dec 2017

Es klopft spätnachts an der Tür. Erstaunt und ein wenig ungehalten steht Jesaja auf. „Wer ist da noch so spät?“, ruft er. „Im Namen des Königs: Aufmachen!“, erwidert eine donnernde Männerstimme. Jesaja gehorcht und wenige Minuten später befindet er sich in der Halle des Königs. Der Herscher sitzt auf seinem Thron und lächelt den Propheten gutgelaunt an. „Lieber Gottesmann“, beginnt der Herr von Israel: „Ich habe einen gesunden Jungen bekommen. Morgen soll ihn der ganze Hofstaat bewundern und Du musst noch schnell ein schönes ­Gedicht schreiben zum Lobe der zukünftigen Majestät. Ich verlasse mich auf Dich, und denk dran: Ich bin der Chef hier!“ Jesaja schlurft mit hängenden Schultern nach Hause zurück. In wenigen Stunden soll er eine Lobeshymne schreiben auf ein Kind, das vielleicht irgendwann einmal König sein wird. Aber Jesaja tut wie ihm geheißen. So könnte der Text Jesaja Kapitel 9, ­Verse 1 - 6 entstanden sein, über den am Heiligen Abend manches Jahr zu predigen ist. Was aus dem neugeborenen Prinzen geworden ist, ­wissen wir nicht. Doch die Sehnsucht des Volkes nach dem von Gott auserwählten Messias wuchs. Immer wieder dachten Jesajas Leser, dieser oder jener sei der von Gott Bestimmte. Sie haben sich alle getäuscht. Auch ­Jesus passte gar nicht in dieses Muster. Den ü­berzogenen Erwartungen der ­Menschen damals wie heute wurde und wird er nicht gerecht. Der ­Starke, ­Mächtige, ­Reiche und ­Erfolgreiche erregt stets ­Bewunderung. ­Jesus war kein Star, sondern ein ­scheinbar unbedeutender ­Handwerker, geboren in einem schmutzigen Stall, um dann elend wie ein Strauchdieb am Kreuz zu sterben. Und d­ennoch: gerade in Jesus begegnet uns Gott, der Gott, der sich auf die Seite der kleinen Leute stellt, auf die ­Seite der Einsamen, Kranken, Ausgestoßenen. Gott bleibt ­keine abstrakte Größe, kein Spielball der ­Philosophen und ­Wissenschaftler, sondern steigt herab, um uns nahe zu kommen. Von den Stars mit ihrem Glanz und ihrem Ruhm habe ich nichts. Jesus aber hat meine Schuld vor Gott ­gesühnt, hat meinen Tod besiegt. Wir müssen nicht mehr über den Sinn des Lebens spekulieren, müssen uns nicht durch unendliche Wiedergeburten „nach oben“ kämpfen. Wir dürfen uns auf die Wiederkehr Jesu f­reuen. Ich danke dem Knoblauchsland-Verlag, dem besten ­Verlag Nürnbergs, für die Veröffentlichung. Pfarrer Dr. Christian Fuchs

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